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Chronik

1987 bis 1992


Im August 1987 überbringen Pfarrer Larry Hoffsis und seine Frau Cindy einen Satz Handglocken (4 Oktaven) als Geschenk der Epiphany Lutheran Church in Dayton / Ohio an die Augustinergemeinde in Gotha / Thüringen. Innerhalb nur einer Übungswoche schaffen es Cindy Hoffsis und der damalige Musikstudent Brian Middleton, 20 interessierten Jugendlichen und ihrer Kantorin Elke Eichhorn in die Grundbegriffe und ersten Spieltechniken des Handglockenspiels einzuführen. Danach steht der „Handglockenchor der Augustinergemeinde“ auf eigenen Füßen. Zu den folgenden kirchlichen Fest- und Feiertagen ist der Chor nun mit seiner besonderen Musik nicht mehr wegzudenken.

1988 erhält die Chorleiterin Elke Eichhorn die Möglichkeit bei einem 4-wöchigen Aufenthalt in den USA an verschiedenen Workshops für Handglockenspieler in Dayton und Columbus teilzunehmen, was bei den Gothaer Glockenspielern zu einer großen Leistungssteigerung führt. Schon erhält der Chor Konzertanfragen, - zunächst aus dem Thüringer Bereich. Jedoch, - unvorstellbar für die heutige Zeit und so manchen Leser dieser Zeilen, die den realen DDR-Alltag nicht kennen gelernt haben, - begleitet den Chor durch die ganze DDR-Zeit ein leidiges Transportproblem, das nicht immer leicht zu lösen ist. Wir haben kein Fahrzeug für den Transport der Glockenkoffer und –tische und müssen die wenigen Eltern der Spieler, die ein Auto besitzen, um Hilfe bitten.

Am 7.Januar 1989 spielt der Chor in der Gothaer Augustinerkirche sein 1.Benefizkonzert, dessen Erlös für den geplanten Orgelneubau bestimmt ist. Diese Konzerte – unterdessen auch für humanitäre Zwecke – sind zu einer guten Tradition geworden und finden seitdem regelmäßig am ersten Samstag eines neuen Jahres statt. Allein für die Augustinerorgel spielte der Handglockenchor im Verlauf einiger Jahre weit über 10.000 DM ein. Das Jahr 1989 führt das junge Ensemble quer durch Thüringen. Ein besonderer Höhepunkt ist jedoch das Konzert am 24.Juni in unserer Heimatkirche, bei dem die Gothaer Glockenspieler gemeinsam mit dem „High School Handbell Choir“ aus Dayton / Ohio (Leitung: Cindy Hoffsis) musizieren. Als Besonderheit werden in diesem Konzert 2 Kompositionen uraufgeführt: „Fanfare“ für 2 Handglockenchöre und 2 Trompeten von Brian Middleton und die Choralintrade „Du, meine Seele, singe“ für Handglockenchor und Bläserquartett von Landeskirchenmusikdirektor Herbert Peter. Letzteres dirigiert der Komponist persönlich.

Die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in unserem Land im Herbst 1989 machen es möglich, dass der Chor auch einmal die Kirchenmauern verlässt. So gastiert er gemeinsam mit dem „Gothaer Kinderchor“ (Leitung: Klaus Hähnel) zu einem Weihnachtskonzert im Kreiskulturhaus Gotha, worüber die „Thüringer Landeszeitung“ wie folgt schreibt: „…eine Musik ganz eigener Art, behutsam anrührend…von der eine Ruhe ausgeht, die zur inneren Einkehr zwingt…“

Dank der Grenzöffnung können wir nun auch unseren Reiseradius erweitern. So führen uns im Jahr 1990 Konzerte u.a. in den „Französischen Dom“ nach Berlin, in die St.Nicolai-Kirche nach Lemgo und in die Pauluskirche Salzgitter-Lebenstedt. Das Repertoire des Chores hat sich unterdessen erheblich erweitert. Wir spielen Bearbeitungen von Chorälen und deutschen Komponisten wie Bach, Händel, Telemann und Mozart, amerikanische Originalkompositionen und Arrangements von Spirituals und Gospels. Besonders gern nehmen wir Stücke in das Programm auf, bei denen ein Soloinstrument mitwirkt, wodurch die Glockenmusik um eine Klangfarbe bereichert wird. So spielte der Chor bereits zusammen mit der Orgel, mit Posaunenchor, Waldhorn, Trompete, Blockflöte, Querflöte, Violine und Violoncello.

Das Jahr 1991 beinhaltet zwei kleine Höhepunkte: Ein beeindruckendes Erlebnis ist es für die Handglockenspieler, als sie am 2.November in der Eisenacher Georgenkirche den Reformationsgottesdienst aller in Deutschland lebenden amerikanischen und kanadischen Lutherischen Christen musikalisch ausgestalten dürfen. Mindestens ebenso aufregend ist die Übertragung eines Weihnachts-Rundfunkgottesdienstes aus der Margarethenkirche Gotha über die „Deutsche Welle“, bei der die Handglocken neben anderen Mitwirkenden weltweit gehört werden können.

Vom 1.-3.Mai 1992 findet in Ostfriesland das zweite „Deutsche Handglockenfestival“ statt. Das von der „Ländlichen Akademie Krummhörn e.V.“ veranstaltete Treffen zieht 21 Handglockenchöre und somit rund 260 Glockenspieler aus Deutschland, der Schweiz und den USA in seinen Bann. Am ersten Tag finden Konzerte in 7 Gemeinden Ostfrieslands statt, jeweils von 3 Glockenchören gemeinsam gestaltet. Wir Gothaer musizieren dabei zusammen mit dem „Peace Bell Choir“ aus Caputh / bei Potsdam und dem Handglockenchor Düsseldorf-Kaiserswerth in der Nicolaikirche in Wittmund. Der 2.Mai ist ein Tag der Begegnung, Weiterbildung und Proben für das Abschlusskonzert in der Martin-Luther-Kirche in Emden. Wenn jeder Spieler bis zu 6 Glocken zu spielen hat, dann dürften in dieser Abschlussstunde ca. 1.500 glänzende und blitzende Bronzeglocken erklingen! Dazu ist im Altarraum der Kirche ein umfangreicher Podestaufbau erstellt worden, worauf alle Glockentische terrassenartig Platz finden müssen. Allein das ist eine organisatorische Leistung! Das Bild der vielen hundert aufgereihten Glocken ist bereits rein optisch faszinierend. Die bis auf den letzten Platz dicht gedrängte Zuhörergemeinde erlebt ein Konzert der Superlative. Als Einzelbeitrag spielen wir Gothaer im Abschlusskonzert die „Fuge f-Moll“ von Brian Middleton. Zweiter Höhepunkt des Jahres 1992 ist ein erneuter Besuch des „High School Handbell Choirs“ der Epiphany Lutheran Church in Dayton, mit dem wir gemeinsam konzertieren. Dritter Höhepunkt ist die Einladung zu einem Konzert in der Mutterhauskirche des Diakoniewerkes Düsseldorf-Kaiserswerth im September. Mit den „Glöcknern“ des dortigen Chores ist im Mai in Ostfriesland so manche Freundschaft geschlossen worden. Das Jahr klingt aus mit einem Weihnachtskonzert in der Stadtkirche von Arolsen am 1.Advent.


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